*Wo ist der Stern*

Wo ist  Stern, brüllte der Vater, während der Vater seit Stunden an der Krippe bastelte. DER Stern, Liebling. DER. Jetzt war Jatinder solange in Österreich, sprach akzentfrei Deutsch. Nur die Artikel. Die verdammten Artikel. Lisa seufzte. Sie wischte sich die Hände ab. Sie war beim 10.  Blech Vanillekipferln und verfluchte ihre Meschpocke, die Gefallen daran gefunden hatte,  ganz Wien samt Umgebung via Facebook, Twitter und Instagramm mitzuteilen, wie toll Mamis Kekserln schmecken.
Eigenartigerweise hatte die Familie, wenn es um ihre berufliche Qualifikation als selbständige Bilanzbuchhalterin ging, keinen so massiven Mitteilungsbedarf.

Was gibt´s, Schnucki?  Wo soll der Stern schon sein ? Wo Du ihn letztes Jahr hingegeben hast.?
Jatinder murrte vor sich hin, war aber sehr konzentriert mit dem Jesuskind und dem Esel zugange.

Die Zwillinge, kurz vor der Matura, lümmelten am Sofa und starrten im Duett in ihre I-Dingens.
Ihr wollt wohl nicht suchen helfen …..?

*Mary´s Boy child, Jesus Christ..* (japanese-house-Version) . dudelte Leanders Handy los. Eigenartige Klingeltöne hatte der Bub.
Lisa ging in die Küche retour.
Aus dem Wohnzimmer hörte sie nur Gekicher, manchmal dachte sie, ob die Pubertät je aufhörte.
Aber sie wollte ja unbedingt Buben haben.

Sie nahm sich eine auditive Auszeit und setzte sich die Kopfhörer auf.
I want to be evil…… Eartha Kitt…. das war Therapie.

Sturmklingeln an der Türe. Natürlich reagierte Keiner.
Sie öffnete. Keiner draussen.
Nur auf der Türmatte stand ein weihnachtlich beklebtes Packerl.
Ratlos schaute sie ins Stiegenhaus.
In der Küche öffnete sie die Schachtel…
Ein wunderschöner Stern lag drinnen.
Und eine Karte.
Danke für die Vanillekipferln
Das Christkind

Wunschschreiben mit Sonntraud Diwald  im Rahmen des 5. Tag der Wünsche bei der *Lila Couch*
Das Gedicht von Matthias Claudius *Der veschwundene Stern* führt zum Schreibimpuls *Wo ist der Stern*

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