Die Geschichte der Eule (2) – Die ersten Schritte

Die alte Eule, mit den zerzausten Federn, die ja beschlossen hatte, keine Eule mehr sein zu wollen, machte ihre Sache sehr gut. An wem immer sie vorbeiflog oder auch hoppelte oder streifte, sie wurde nicht als Eule wahrgenommen. Im Gegenteil: Niemand fiel überhaupt auf daß jemand da war, so gut tauchte die Eule in ihre neue Identität ein.
Möglicherweise lag es aber auch daran, daß die kleine Eule was kätzisches angenommen hatte, und Katzen können ja sehr lautlos und schnell sein.

Allerdings war der Eulenkatze bald klar, daß sie im Herzen das Eulige nicht ablegen würde können, die beiden Identitäten würden wohl immer nebeneinander bestehen.

Nachdem also die Eulenfängerin ihre Verwandlung in eine Prinzessin abgeschlossen hatte, blieb es nicht aus, daß sie den Wald bald verliess, da sie ihre Zukunft woanders sah. Sie packte alle Ihre Habseligkeiten und verschwand in die Richtung aus der sie einst gekommen war. Die Eulenkatze saß in ihrem Horst und verfiel zusehendst. In der Nacht träumte sie von glücklichen Zeiten, von Märchen, die gut ausgehen und der Eulenfängerin, die sie noch immer liebte, das morgendliche Aufwachen war meist bitter und ernüchternd.

Sie sprach nicht mehr und gab auch keinen Laut mehr, die Federn respektive das Fell – je nach Identität – waren nicht mehr seidig, und glänzend. Die Augen schauten trüb in die Welt, und ihr war alles egal. Das tägliche Krakeelen der Schwarzen Vögel und das Verstecken vor denselbigen bestimmte den Tag. Immer öfter dachte die Eule in der Katze darüber nach, daß sie eigentlich nicht mehr leben wolle. Warum nicht einfach hinlegen zum Sterben.

Allerdings sind ja Katzen recht widerstandsfähige Tiere, und so hinderte diese Eigenschaft die Eule daran, ihren Gedanken konkret nachzugehen. Die Tage wurden ja wieder länger, und irgendwas war in der Katzeneule im Innersten, welches ein klein wenig Hoffnung gab. Vielleicht lags auch am Uhu, der der Katzeneule eines Tages begegnete und in einem langen nächtlichen Gespräch gelang des dem weisen Tier, die Eule für einige Zeit ganz herausschlüpfen zu lassen. Die kleine Eule schüttete ihr Herz aus und weinte bittere Tränen. Der weise Uhu hörte einfach zu, und diese Zugewandtheit führte dazu, daß die Eulenkatze wieder etwas Mut schöpfte.

Du kannst immer vorbeikommen, Du kannst immer reden……! Verkriech Dich nicht komplett….Die Tiere des Waldes vermissen Dich…

Die Eulenkatze trocknete ihre Tränen und beschloss, nicht ganz auf das Eulige zu verzichten. Ab und an schloss sie sich wieder den anderen Waldestieren an, hin und wieder war wieder ein Strahlen in ihren Augen zu sehen. Dennoch schmerzte ihr Herz noch sehr, die Trauer war noch immer groß, und nach wie vor mußte sie die Schwarzen Vögel meiden, der Krächzen noch sehr laut herüberklang.
Aber sie dachte nicht mehr so oft an den Tod.

Hin und wieder flog sie zum Uhu, um zu reden. Und sie weinte nicht mehr so oft.Aber noch immer dachte sie tagtäglich an die Eulenfängerin, die so ihr Herz erobert hatte.

Vielleicht eines Tages, dachte die Eulenkatze, nachdem sie an einem Abend ein paar Waldestiere getroffen hatte und Wärme erfahren hatte, kann die Eulenkatze wieder Eule sein. Vielleicht.

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