Der Kaufmann aus Wien – Never/Forget


Das genaue Datum ist nicht mehr ganz so hundertprozentig bekannt:  Irgendwann zwischen 1938 und 1942 läutete irgendwo in Wien bei einem Jüdischen Kaufmann das Telefon:
Pack Deine Sachen, Deine Familie, Du mußt weg aus Wien. Wir können Dich nicht mehr schützen. Der Kaufmann packte zusammen, und verliess unter weitgehendem Zurücklassen seines Hab und Gut Wien und reise nach Budapest.
Auch dort war ihm kein langer Aufenthalt beschieden, wieder liess er alles zurück und flüchtete nach Sofia. Bulgarien bewahrte im Zweiten Weltkrieg 50 000 Menschen vor der Deportation….Die jüdische Bevölkerung hatte zwar kaum irgendwelche Rechte, 28.000 Juden wurden am Land ausserhalb von Sofia angesiedelt. Doch gleichzeitig schloss die Regierung 1943 in Sofia ein geheimes Auslieferungsabkommen mit Deutschland zur Deportation von 20.000 Juden in die deutschen Todeslager ab. Als das an die bulgarische Öffentlichkeit drang, begann der Protest: Abgeordnete sammelten Unterschriften, Intellektuelle reichten Petitionen ein. Und am 24. Mai – dem höchsten Feiertag in Bulgarien – formierte sich eine Demonstration von bulgarischen Bürgern und Teilen der orthodoxen Kirche gegen die Deportation der Juden.

Die Deportation wurde nur aufgeschoben. Allerdings kamen Tausende Juden in Internierungslager… Auch der jüdische Kaufmann aus Wien. Geschickt wie er war, ein begnadeter Netzwerker, Kontakter und Philanthrop leitete nach kurzer Zeit die Kantine.

Seine Tochter ging in Bulgarien in die Schule – und man war tagtäglich damit beschäftigt zu überleben.
Im September 1944 erklärte Russland Bulgarien den Krieg , am 7. September wurden alle Juden amnestiert, die unter die antisemitischen Gesetze vom Januar 1941 fielen… in weiterer Folge wurde die Regierung gestürzt, die Putschisten erklärten Deutschland den Krieg, wenige Tage später marschierte die Rote Armee in Bulgarien ein.

Anders als etwa in Ungarn, wo noch 1944 über 400.000 Juden nach Auschwitz-Birkenau deportiert wurden. Bulgarien konnte nach Angaben des in London forschenden Holocaust-Historikers Martin Gilbert als einziges europäisches Land 1945 auf eine größere jüdische Gemeinde verweisen als vor dem Zweiten Weltkrieg. Ein Großteil der Juden wanderte aber noch vor bzw. unter kommunistischer Herrschaft nach Israel aus.
Der Kaufmann wollte nach Wien zurückkehren. In seine Heimat.

Mit Sack und Pack über die Gebiete des ehemalige Yugoslawien machte er sich auf – und geriet in Gefangenschaft. Mit seiner Tochter und einer hochschwangeren Frau. 1945 wurde der Kaufmann mit seiner Familie als feindliche Ausländer ausgewiesen. Er nähte seiner Tochter Goldmünze in den Mantel und Kontaktadressen, und instruierte sie, was zu tun sein, falls die Familie auseinandergerissen werden würde. Sie kamen nach tage/wochenlanger Reise in Wien an.

Für den Kaufmann stand ab nun das *nach Vorne schauen* im Vordergrund.Und wieder baute er sein Leben neu auf.
Ein Teil seiner Schwestern mit ihren Kindern waren emigriert in die USA und nach England.
Ein anderer Teil der Familie war deportiert worden.

Er hatte 2 Kinder zu versorgen. Er hatte eine todkranke Frau, die die Mühen der jahrelangen Flucht nicht überlebte.
Er heiratete noch  einmal, um seine Töchter versorgt zu wissen.
Er blickte immer nach vorne.
Er überlebte den Holocaust.

Ich war heute am Fest der Freude

Heute, am 8. Mai 2015,  jährt sich zum 70. Mal die bedingungslose Kapitulation der Deutschen Wehrmacht. Dies markiert das Ende des nationalsozialistischen Regimes und ihres verbrecherischen Angriffs- und Vernichtungskrieges.

Der Jüdische Kaufmann Kaufmann war mein Großvater.
Für mich gibt´s kein Vergessen.
Dem rechtsradikalen Zynismus, Rassismus, der Diskriminierung gebe ich KEINEN RAUM.Keinen Millimeter.

NIEMALS VERGESSEN!

Gewidmet, Ernst Bach, dem jüdischen Kaufmann, der überlebt hat.
Mein Opa.

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