Genderdebatte reloaded 2.0 aka Des hamma immer so gemacht


Natürlich ist das der x-te Beitrag zum aktuellen Hymnenthema. Es ist ja bereits alles gesagt, geschrieben, beschimpft, geshitstormt und durchgekaut.. Dennoch…..
Ein Volksliedrocker, der durchaus nette Gstanzeln singt, darf zur die Bundeshymne intonieren und singt sie so, wie er es mal gelernt hat. Soweit so gut/schlecht.Denn seit 2011 lautet – vom Parlament beschlossen (ausser den Stimmen der FPÖ) die betreffende Zeile

Heimat großer Töchter und Söhne

 

Die Grünen Frauen machen ihn darauf aufmerksam, und damit nimmt das Unheil seinen Lauf.Der Herr Gabalier fühlt sich aufs Krawattl getreten und teilt mit, das er es so gelernt hat, und  nicht daran denkt, den Text zu ändern .
In der ZIB 24 wiederholt er dieses Statement, was Frau Rauch Kallat veranlasst, ihm als Beispiel für ständige Veränderung daran zu erinnern, daß er inzwischen auch nicht mehr in die Windeln kackt. (Also in etwas gewählteren Worten)
Frauenministerin Heinisch-Hosek veröffentlicht auf Facebook ein Bild mit dem Text und der richtigen Zeile.

Nun gehts aber richtig los:

Auf facebook und Twitter entstehen endlose Diskussionen, und auf Facebook wird shitgestormt in Richtung Heinisch-Hosek, daß es einem Angst und Bang werden kann:

Sie kommen mir schon wie die ehemalige Ministerin und männerhassende Kampflesbe Johanna Dohnal vor! Günther S.

….. dieses Emanzen Getue stinkt ja zum Himmel! Roswitha M.K.

Es gehört ihr mal gezeigt was IHRE Pflichten sind… Die sie jeden Tag bricht.. de gurkn de… Is genau so a odrade foische rote wia de aundan olle heinzelmännchen…. Helmut M.

die FRAUEN, selbst eine frau, müssen NICHT überall drin und dabei sein, Rosita K

Hier eine kleine Lernhilfe für unser Polittrampel. In einer Demokratie, bestimmt die Mehrheit was passiert. Die Grünen sind eine Minderheit. Die Grünen Frauen haben nicht ansatzweise die Probleme von heute erkannt.Florian U.

Mit so einem blödn Gfries lossat i mi ned moi fotografieren a richtiges Watschngsicht hot die , könnten allesamt im Prater als Watschnmann arbeiten!!!!! Anschi E

Du Idioten Weib Kemal S.

Und das sind die allerharmlosesten Postings – die ganz heftigen wurden bereits gelöscht….  gut so. Gewaltandrohungen sind nicht notwendig.

Mag sein, daß das Versmaß nicht ganz passt und etwas holprig ist. Gefallen muss es auch nicht, allerdings die Argumentationen DAGEGEN lassen mir das berühmte  G ´Impfte aufgehen.

Der Tenor heisst: Habts keine anderen Sorgen, es gibt wichtigers. Das ist ein übliches Totschlagargument.
Denn es geht hier nicht um entweder /oder sondern um eine Geste . Eine Geste der Wertschätzung Frauen gegenüber.

Am Allerschlimmsten ist , die genauso ernsten Themen, der Lokal und Weltpolitik in einen Kontext zu stellen und das Anliegen auf den Text in der Hymne zu reduzieren und es ins Lächerliche zu ziehen……und leider auch von Frauen. Das nenne ich ja fast schon Stockholm Syndrom ….

Wenn wir Frauen warten sollten, bis der Weltfrieden endlich da ist, dann warten wir ewig. Das Thema der Gleichberechtigung ist genauso wichtig wie alle anderen Themen. Erst 1918 erhielten die Frauen das Wahlrecht. Noch 1955 verdienten Frauen 40% weniger als Männer. In Deutschland gabs eigene Frauenabschläge. Frauen durften früher nur arbeiten, wenn es mit der Familie vereinbar war. Noch in die Siebziger Jahren war der Mann immer Vormund und Haushaltsvorstand. Der unbereinigte Gehaltsgap lag 2008 noch immer bei 25%.

Und ganz ehrlich: Ich habe in meiner Zeit als Führungskraft zu einem Mitarbeiter auch schon mal gesagt, auf das Argument, des hamma imma so gmacht, daß wir ja auch nicht mehr in die Ecke schei…n und br….n, sondern eine Toilette mir Wasserspülung haben.Nicht damenhaft (aber das war ich eh nicht wirklich ) und auch sehr direkt (war in Hotellerie)… ich nenne das mal paradoxe Intervention. Und daher fand ich den Sager nicht wirklich schlimm. Wenn der Herr Andreas G. so einen Sager getätigt hätte. würde er wahrscheinlich inm Schutz genommen werden… er is jo a Bua vom Grund und red wie eam der Schnobl gwochsen is..

Solange so eine öffentliche Erregung stattfindet bei einer charmanten Verbeugung gegenüber Frauen, bleibt noch viel zu tun. Zu behaupten, Heimat bist Du großer Söhne, damit fühlen sich doch Frauen auch angesprochen, und wenns kan Selbstwert haben, die Weiber, dann sollns was tun dafür/dagegen, ist eine mangelnde Wertschätzung ohnegleichen.Solange ich noch bei Meetings die Einzige Frau unter Männern bin, und jemand sagt „Meine Herren „, muss der Stachel geschärft werden.

Notabene: Die Diskurse , die auch ich in meinem persönlichen Umfeld führe, welches mitnichten als niveaulos zu betrachten ist, läßt ebenfalls asn Schärfe nichts zu wünschen übrig. Offenbar ist das Thema Gender und Diversity quer durch alle Schichten schwer zu nehmen, und mich betrübt diese ultra-konservative Position, die zeigt, wie wenig viele das 21. Jahrhundert erreicht haben. Da verwundert es auch nicht, daß nach wie vor Frauen in ihrer Rolle dem Göttergatten als Frau und Mutter zu dienen nach wie vor begeistert aufgehen (Ironie und Polemik-Trigger-Warnung!)

Es gibt meines Erachtens noch viel  zu tun, um ein Klima der Wertschätzung und des Respekts zu erzeugen.
Kampf ist das letzte Mittel der Wahl. Da sollte es vorher noch ein gelinderes geben.

Dialog und Kommunikation: Aber das fehlt leider sehr vielen.
Bedankt seien all jene Frauen, Männer, Tranpersonen die hier bereits auf einem schönen Weg sind!
Und bedankt seinen all jene, die für unser Österreich gekämpft haben – das waren die Männer , und jene , die es aufgebaut haben: Vor allem die Trümmerfrauen!

 

 

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